Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Pinnow e.V.


Putzmalerei in der Dorfkirche von Pinnow vor Usedom


Die 2013 erfolgte Restaurierung der Innenwände brachte die unter dickem Kalkputz verborgenen Putzmalereien zu Tage, die Künstler vergangener Jahrhunderte an den inneren Kirchenwänden hinterließen.

Erfreulicherweise fanden sich noch als 1. Fassung aus mittelalterlicher Zeit Rankenmalereien und aufgemalte Steinquader ( ähnlich in Groß Bisdorf und Reinberg).



Im Bereich einer Nische im oberen Teil der Ostwand, die heute über die Gutsherrenempore zugänglich ist, wurde eine seltene Putzmalerei aus der späten pommerschen Renaissance freigelegt. Sie ist im sogenannten „Knorpelstil“ ausgeführt und kann daher relativ genau in die Zeit zwischen 1620 und 1680 datiert werden.

Restaurierung einer Putzmalerei im  Korpelstill
Restaurierung einer Putzmalerei im Korpelstil
Das könnte mit den großen baulichen Veränderungen zusammenfallen, die um 1621 im Rahmen der Einrichtung einer großen Doppelgruftanlage der Familie von Klempzen an unserer Dorfkirche durchgeführt wurden.



 Doppelgruftanlage  von 1621 während der Fußbodenarbeiten
Doppelgruftanlage von 1621 während der Fußbodenarbeiten
der restaurierte Innenraum nach Osten
der restaurierte Innenraum nach Osten
In dieser Patronatskirche findet sich als ältestes Zeugnis, in die Nordwand eingelassen und das ehemalige Nordportal“ verschließend, die Doppelgrabplatte der Familie von Stedingk (1368), deren Nachfahren in der Schwedenzeit an den schwedischen Königshof gingen und dort im 17. Jhdt.-19. Jhdt. wichtige Ämter innehatten.


Doppelgrabplatte der Familie von Stedingk 1368
Doppelgrabplatte der Familie von Stedingk 1368
Besonders erwähnenswert sind die nun auch durch die Inschriftenstelle der Universität Greifswald untersuchten Bruchstücke einer 2,70 x 1,60 Meter großen weiteren Grabplatte der Familie von Stedingk aus dem Jahr 1415.

Bruchstücke Doppelgrabplatte von Stedingk 1415
Bruchstücke Doppelgrabplatte von Stedingk 1415


In dieser Größe findet man Grabplatten sonst eher in bedeutenden Kirchen oder Klöstern. Das aufregende an dieser Grabplatte ist auch die künstlerische Gestaltung: Im Gegensatz zu der noch starren Darstellung des verstorbenen Paares auf der Grabplatte in der Nordwand (1368) finden sich auf den Bruchstücken der jüngeren Platte (1415) Hinweise auf den Einfluß der Renaissance: Eine leichte Bewegung wird angedeutet: ein Fuß ist Standbein, der andere Spielbein, die abgebildeten Personen werden leicht einander zugewandt dargestellt.



Die umgebende Architekturdarstellung zeigt bei genauer Betrachtung bereits die Benutzung von Durchblicken und räumlicher Darstellung.
Ganz überrascht waren die Experten, dass sich eine fast gleichgroße Grabplatte mit sehr ähnlichen bildhauerischen Merkmalen im Kloster Eldena befindet. (Warsow‘scher Grabstein) Dies wäre der erste Nachweis von 2 Grabplatten aus der gleichen Werkstatt für die Region in dieser Zeit.

Grabplatte/Gedenkstein für Niklas von Klempzen († 1552), 
      1555 gestiftet von Magdalena von Bonow, seiner Witwe
Grabplatte/Gedenkstein für Niklas von Klempzen († 1552),
1555 gestiftet von Magdalena von Bonow, seiner Witwe


Besonders bedeutend ist auch eine in den Boden der Kirche eingelassene Steinplatte zum Gedenken an Niklas von Klempzen, welche seine Witwe, Magdalena von Bonow, 1555 gestiftet hat.
Nik(o)la(u)s von Klempzen (ca 1504 – † 1552), besaß u.a. die Güter Pinnow, Bömitz und Klitschendorf. Er war Landrentmeister unter Herzog Georg I° von Pommern Maßgeblich beteiligte er sich an der ersten Sammlung zur Geschichte Pommerns, des Thomas Kantzow1. (um 1538 hochdeutsche Version der „Fragmenta der pomerischen Geschichte“)